Sonntag, 20. Dezember 2015

"Wir fuhren zur Donau hinab..."

Auszug aus Limesland

Mircea BARNAURE: An der Donau...

Wir fuhren gen Südwesten, zur Donau hinab, in jene Gegend, die so geschichtsträchtig war wie nur wenige im Lande. 
Vor 2.000 Jahren hatte dort Apollodoros seinem Kaiser die vielgerühmte Brücke gebaut, auf dass jener die kriegerischen Stämme, die sich nur der Waffengewalt beugten, endlich dem Reiche unterwerfe. Augustus’ Rat, die natürlichen Grenzen des Reiches nicht zu überschreiten, hatte Trajan damit natürlich missachtet. Und tatsächlich sollte sich knapp 170 Jahre später, unter dem ständigen Druck immer neuer Barbarenstämme, das Reich wieder hinter die sichere Grenze der Donau zurückziehen.
(...) 
Nun aber: Gongschlag! Das Reich besinnt sich eines Besseren und kommt zurück, mit Macht kommt es sogar zurück, den geheimen Wunsch zweier Jahrtausende endlich erfüllend! Ein Wunder, also, ein fast österliches, erhaben und so schön gewaltfrei!
Nun ja, vieles hat sich in der Zwischenzeit verständlicherweise verändert, Eroberung durch Waffengewalt entspricht nicht mehr so ganz dem Zeitgeschmack, das Reich verbirgt seine Legionen und lockt stattdessen mit Konsumträumen und siegt durch Kaufrausch, die einst Verlassenen sind gar zu entzückt, in Sturm lassen sie sich einnehmen, nur zu, nur zu, treten Sie ein! Freilich sind sie nicht mehr der kriegerische Stamm, der ehedem erbitterten Widerstand geleistet, und auch nicht mehr die gepflegte Bürgerschaft der einst so reichen römischen Provinz. Das ganze Skythien hat sich im Laufe der Jahrhunderte mit seinen Pferden und seiner Anarchie aus den unermesslichen Weiten des Ostens über diese Landstriche ergossen und das Erbe Roms, das, was von seiner Ordnung geblieben, in Schutt und Asche gelegt. Nichts ist davon übriggeblieben.
                                                                                                               
Ioana Orleanu, Auszug aus LIMESLAND

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